Havanas Säulen und no comprendo

Auf dem Weg zum Busbahnhof bin ich in mein erstes Auto americano eingestiegen. Der türkisfarbene Wagen der 50er Jahre ist etwas ausgebeult und innen fehlen bereits Kleinteile, dennoch schnurrt der Wagen die kurze Strecke entlang wie ein Kätzchen.

Am Busbahnhof warte ich mal eine Stunde im zweckmäßig eingerichteten Warteraum mit TV, es laufen gerade die Morgennachrichten. Dabei erinnere ich mich an einen Film den ich mal über Kuba gesehen habe. Die Ähnlichkeit ist nicht zu verkennen. In den Film ging es darum, dass wegen einer Buspanne die Fahrgäste über Nacht in der Station festsitzen. Die Verknüpfungen der Personen, Gespräche und das Fischen im nahegelegenen Fluß erzählen die Geschichte bis zur Weiterfahrt nach Havana. Der Bus Viazul erscheint überpünktlich und los geht die Reise durch Kuba. Wegen Überfüllung der Busse muss ich mir momentan wohl keine Gedanken machen, mehr als genug Platz im Touristenbus.

Nach etwa zwei Stunden fahre ich in Havana ,die Stadt der Säulen ein, bestaune gespannt die zum Teil sehr baufälligen Häuser und teilweise hat die Restaurierung hier bereits große Fortschritte im Zentrum erlangt.

Genau aufgepasst bekomme ich in spanisch mit, es gibt mehrere Haltepunkte in Havana, auch im Stadtteil Vedado, wohin mich meine Reise vorerst mal führt.

Die Suche nach dem Haus der Sprach-Casa-Particular kann beginnen, schließlich finde ich es doch durch Fragen, auch wenn ich die Antworten in spanisch kaum verstehe.

Nach kurzem Kennenlernen führt mich Erik zu meiner Gastfamilie. Ein älteres Ehepaar begrüßt mich, ich mag sie gleich von anhieb, sie sprechen nur spanisch. Gut für mich, da lerne ich hoffentlich schnell. Ein entzückendes Paar, freundlich und geduldig wenn ich sie manchmal verständnislos ansehe. Ich fühle mich ein bißchen als wäre ich wieder bei meiner Oma zu Besuch, nicht nur das, wie ein Kind das erst sprechen lernt.

Ich verbringe den restlichen Tag mit ihnen. Es wird eine Telenovella geschaut, die Handlung ist etwas seicht, dennoch kann ich die Situationskomik der Handlung nachvollziehen und wir lachen gemeinsam.

Das beste ist aber mein Zimmer. Ein mindestens 5 Meter hoher Raum, Stühle der Kolonialzeit mit geprägtem Leder und Schnitzerein und mein eigener strassenseitiger Eingang.

In der Nacht (es ist Samstagnacht) werde ich geweckt durch Gespräche der jungen Kubaner auf der Ave de los Presidentes, eine Strasse gesäumt von einer Allee deren Bäume gestutzt sind wie rießige grüne Lampenschirme und den Statuen wichtiger Präsidenten Lateinamerikas der Geschichte. Dann wieder wird vor meiner Eingangstür Gitarre gespielt und gesungen, es klinkt schön, ich schlafe wieder ein.

Den Sonntag verbringe ich damit meine ersten spanischen Wörter und Sätze zu lernen. Ein Spaziergang in meiner neuen Gegend führt mich durch die Strassen baufälliger Kolonialbauten, neben neu restaurierten Gebäuden. Geschäfte, die ich erst auf den zweiten Blick als Geschäfte wahrnehmen kann. Ich kann es garnicht Detail für Detail beschreiben, eine Stadt wie Havana habe ich noch nie gesehen, sie ist wie ein sureales Kunstwerk. Schön, abgenutzt und wiedersprüchlich gleichermaßen, wobei ich oft nicht unterscheiden kann was nun schön oder hässlich sein soll. Wie in einer Zeitmaschine springe ich zwischen den Epochen die oft nicht konträrer sein können, sie sind aber alle in dem Kunstwerk Havana vereint. Eine künstlerische Improvisation der Kubaner und Kubas.

Posted in tita-logue 9 years, 11 months ago at 12:18 AM.

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