Von Vinales nach Cienfuegos

Meinen letzen Tag in Vinales haben Sabina und ich mit einem Spaziergang durch Vinales und Umgebung verbracht. Heute gibt es noch immer keine Internetkarten und daher auch keine Möglichkeit ins Internet zu kommen.

Abseits der Hauptstrassen, wo eine Casa Particular der anderen folgt, findet das tatsächliche Leben statt. Die Häuser sind einfacher, es sind Landwirte die Tabak, Kaffee oder anderes anbauen. Daneben sind oft mit Palmen- oder Bananenblättern bedeckte Hütten zu finden, dort wird der Tabak zum Trocknen aufbewart.
Die Schule ist gerade aus, die Kinder werden teilweise von klapprigen Schulbussen nach Hause gefahren oder von Pferdewagen, die überfüllt sind mit kleinen Kindern in Uniformen unterschiedlicher Farben, je nach Schulstufe und Art der Ausbildung. Wir kommen auf einem Hügel an mit einem Überblick über das gesamte Tal. Ein wunderbarer Ausblick. Wir folgen einer Strasse, gesämt von alten Fabrikshallen ohne Dächer, es wäre ohnehin zu heiß dafür. Es wird Holz geschnitten, Steine aufgeladen, alles von Hand. Lastwagen bringen die Ladung mit einer Rauchwolke hinfort. Vor Vinales liegt wohl eine Mittelschule für Agrarwirtschaft, gegenüber ist ein Bauernhof mit kleinen Ziegen. Es sind mindestens 60 kleine Tiere, die sind unglaublich süß.

Daneben führt ein Weg durch die Wiesen gesäumt von Nadelbäumen. Vereinzelt grasen dort Pferde und Kühe, es sind aber nur einzelne Tiere, richtige Weideherden gibt es nur ganz wenige in Cuba.

Zurück in Vinales kühlen wir uns zur Siesta mit einem Becher Schoko-Eis ab. Gegen Abend geht die Feldarbeit dann weiter.
Auf einem Feld wird gerade umgepflügt. Vater und Sohn lenken jeweils einen einfachen Pflug gezogen von 2 Ochsen. Es ist ein anstregender Arbeitshergang.
Nach einem Spaziergang über den Kirchplatz kehren wir in die Casa zurück und freuen uns wieder mal auf ein tolles Abendessen von Orchedia und Luis. Mit unserem einfachen Spanisch bringen wir sogar ein Gespräch über Baseball in Kuba, Fußball in Deutschland und Wintersport in Österreich zusammen. Leider dürfte gerade keine Profisaison in Cuba sein, daher kein Baseballspiel ausser denen die wir täglich in den Strassen bei den Kindern und Jugendlichen beobachten können.

Mittwoch morgens trennen sich Sabines und meine Wege. Ich reise weiter nach Cienfuegos. Eine kleine aber wirklich schöne Hafenstadt mit schönen Colonialbauten, einem Atomkraftwerk aus russischen Zeiten, das nie in Betrieb genommen wurde und heute wohl Munition für das Militär herstellt. Ein wunderbarer Blick auf eine ruhige Bucht. Ich werde am Abend von einem jungen Kubaner begleitet, wir spazieren entlang der Malecon und werfe einen Blick auf die aristokratischen Gebäude, wunderbar restauriert aus längst vergangenen Zeiten, heute Restaurants, Hotels und ein Yacht Club.

Zurück in der Casa bin ich zu müde um noch mehr zu unternehmen.
Den nächsten Tag verbringe ich eher ruhig, organisatorische Dinge sind zu erledigen. Ich schließe mich der Lieblingsbeschäftigung der Kubaner an, zur Siesta suche ich mir ein schattiges Plätzchen und lese in meinem Buch für Costa Rica. Später komme ich dann ins Gespräch mit Carlos, ein Fischer derzeit ohne Arbeit, weil die gesamte Hafenanlage restauriert werden muss. Abends landen wir dann auf einer Studentenparty an der Bucht, die wir “Ausnahmsweise” für 20 Moneda National besuchen dürfen auch wenn wir keine Studenten sind. Dort treffen wir Freunde von Carlos, viele sind afrikanische Studenten aus Angola oder anderen Teilen Afrikas. Das Bier wird über einen seltsamen Tanker ausgeschenkt auf dem ein Typ hinter einem Gitter mit einem Bierfass sitzt. Es wird wie nicht anders zu erwarten zu Salsa und Raggeaton getanzt.

Nach einem Spaziergang zu Rapido, der Fastfoodkette in Kuba, wo ich mal wieder nach meinem Herkunftsland gefragt werde, kehre ich zurück zur Casa.
Morgen geht es weiter nach Trinidad.

Die Reaktionen auf Austria sind meist positiv, werden aber auch oft mit Australien verwechselt. Deutschland, wie bei Sabine, hat immer positive Reaktionen ausgelöst. Die allgemeine Meinung Touristen haben Geld und sollen es auch hergeben durch Taxifahrten, Restaurantbesuche, Schlepper die dich von einer Aktivität zur nächsten führen oder was auch immer sind in stark frequentierten Touristenzonen immer vertreten. Oft sieht das so aus, du zahlst Eintritt, deine kubanische Begleitung aber nicht. Kubanisches Fernsehen berichtet aus dem Ausland immer Regierungs- und Systemtreu. Kapitalistische Probleme der Europäischen Union und Demonstrationen an der Wallstreet sind da natürlich ein gefundenes Fressen. Darüber wird ausführlich berichtet.

Die 5 Kubaner (einer wurde unter Hausarrest freigelassen), die in Miami im Gefängnis sitzen, die kubanischen Helden sind hier überall zu sehen im TV, in Plakaten und Denkmälern. Die genaue Geschichte habe ich noch nicht durchblickt, von kubanischer Seite betrachtet haben sie dabei geholfen ein Atentat auf ein Flugzeug in den USA auf Kubaner abzuwehren und Informationen über den Terror-Anschlag weitergegeben. Es wird gefordert sie freizulassen und an ihre Familien zurückzugeben. Es wird vom kubanischen Heldentum und Stolz gesprochen.

Technologie wie Handys kommt aus Italien, die Gebühren kann sich aber kaum einer Leisten, so wird das Handy zum Musikhören und Fotografieren verwendet. Internet gibt es nur von Etecsa, wenige die eine Casa Particular betreiben haben Internet zu Hause. Energie und Rohstoffe kommen aus Venezuela, Canada hat soweit ich weis bei Fabriken geholfen. Es wird Handel mit den Chinesen betrieben, die neuen Busse kommen aus China.

Posted in tita-logue 12 years, 3 months ago at 09:00 AM.

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